und ein wort sucht das andere,

gibt das andere,

verführt das andere,

führt das andere einsagend,

aussagend, nichts-sagend und vielsagend

ins wortbett

zur zeugung neuer worte,

in die bindung eines satzes,

in die beugung in immer neue fälle:

kniefälle!

anfälle!

ineinanderfälle!

ins-wort-fälle!

überfälle und unterfälle!

so fällt ein wort das andere ...

bis es endlich fällt und gefällt:

der erste fall, die erste person:

das gegenüber: "ich" und "ich"

der zweite fall, die zweite person:

possesives Einander: du, dein

der dritte fall, die dritte person:

gegenseitiges geben, austausch,

mit-teilen, zeugen: er, sie, Es

der vierte fall, die immermehrzahl: fixierung auf wen?:

die einheit vorvergangener zweiheit:

wir, uns, die anderen: sie

 

 

lyrische sprache

die philosophie und das denken als vorschule

die sprache:

die gereinigte:von schlacken und erblasten befreite sprache
die geheiligte:
mit erbe und achtbaren worten angereicherte sprache
die beherrschte: mit grammatik, syntax und satzzeichen bespielbare sprache
die beinhaltete:
mit leben und sinnen und rauch und tod übervolle sprache
die begeistete:
präzise, verdichtete und dann davon her verwildete,

sich prismenartig öffnende sprache.

 

im akt der schöpfung aber ist sie nur der bleistift.

sie führt nicht die hand des dichters.

konzentriert, prall, ja barock,

reiben am einzelwort,

an der fällung der fälle,

am rhythmus,

am innewohnenden tanz.

an der zerdehnung und der raffung.

trauminnehalten am assoziationsabsprung.

sich selbst frei machen, nackt ausziehen,

um das wort zu reiten, welches beritten sein will.

des wortes farben auf die eigene welt zu klatschen,

seine orchestrierung zum echo des eigenen

außen- und innenraumes abzuschallen,

seine gestaltete körperlichkeit mit händen zu fassen.

Hah! d a s =

l e s e n!

doch das wort endet nicht am vierten fall -

es schöpft neu: den einfall, den zweifall (zweifel),

den beifall, den ausfall,

den missfall, den zerfall,

den traumfall!

den schlimmsten fall, den irreversiblen fall, den unheilbaren fall,

den seltenen fall und natürlich: den zufall...
und: den glücksfall!

im falle eines falles

setzt es sich mit einem anderen wort zusammen,

assoziiert eines, das gar nicht da ist,

schlägt eines tot, das nicht passt,

rüttelt eines wach, das noch nichts von sich weiß,

klopft eines ab, ob es etwas taugt,

knospt in tausend ansätzen tausend andere wörter,

knappt auf sich allein tausend andere wörter zurück.

und dem schlechtschreiberling zerfällt es im mund

und dem liebenden blüht es dort wie klee

und dem geist ist es stachel im fleisch

und der macht ewige gefahr.


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